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Stimmung von Mundharmonikas

Die verschiedenen Stimmungsmodi von Mundharmonikas

Was bedeutet z.B. 'Gleichstufig Temperierte Stimmung' bei Diatonischen Mundharmonikas
Es gibt einen Unterschied zwischen dem was das Ohr als wohlklingenden Akkord empfindet, also dem Zustand, in welchem die Obertöne in einem Harmonischen Verhältnis zu den Grundtönen eines Akkordes stehen auf der einen Seite und dem rechnerischen Verhältnis der Töne und ihrer Frequenz.

Ganz einfach ausgedrückt: Wenn eine diatonische Mundharmonika so gestimmt ist, dass sie im Akkord gut klingt (nennt man auf neudeutsch Just Tuning oder Reine Stimmung), dann stimmt sie nicht mehr mit einer Gitarre oder einem Klavier überein. Vor allem im Kanal 5 ziehen liegt sie dann richtig schräg.

Rein rechnerisch müsste es so sein:

Wenn man 12 Quinten die sich im Ohr gut, also rein anhören "aufeinanderstapelt", dann müssten sich eigentlich 7 reine Oktaven ergeben, die sich ebenfalls für unser Gehör rein anhören. Ist aber nicht so. Das Ergebnis liegt fast 1/8 Ton auseinander.

Wenn man also im chromatischen Tonbereich Musik machen will mit Akkorden, die auch in großen Terzen harmoniert, dann kann man eigentlich nicht völlig rein, also auf einen simplen Grundakkord, stimmen.
Man muss einen Kompromiss finden, also temperiert stimmen.

Früher hat man sich beim Stimmen von Mundharmonikas NUR am Akkord orientiert, weil Mundharmonikas als reine Akkordinstrumente begriffen wurden ("früher" heißt bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein).

Erst als mit der immer weiteren Ausbreitung von Blues und Rockmusik das Melodiespiel im Kontext mit anderen Musikern und Instrumenten immer wichtiger wurde klangen rein gestimmte Bluesharps plötzlich verstimmt.
Es waren also die sich ändernden Hörgewohnheiten welche die herkömmliche reine Stimmung plötzlich falsch klingen ließen.
Konsequent umgesetzt wurde diese Erkenntnis bei einer Richter Mundharmonika erstmals bei der » Hohner Golden Melody classic, die Equal Temperament  gestimmt wurde. Die Tonleiter wird dabei ohne Rücksicht auf den Wohlklang des Akkordes in 12 gleiche Tonstufen unterteilt.

Für reines Melodiespiel ist das optimal (Daher auch der Name Golden Melody).

Die meisten Bluesharps werden heutzutage auf einen Kompromiss zwischen gutem Akkordklang und der Gleichschwebenden Stimmung (Equal Temperament) gestimmt, für den jeder Hersteller oder sogar mancher High-End-Spieler seine eigene Rezeptur hat.

Ein paar Klangbeispiele:


Reine Stimmung oder Just Tuning

So klingt eine Just oder rein gestimmte Mundharmonika im Akkord:


Sehr sauber, oder?


Nun hör Dir die Melodie an, speziell den vierten Ton in der Reihe bei der in Just gespielten Melodielinie






Ein Phänomen! Der Akkord klang super, die Melodie dagegen hört sich nicht nicht besonders toll an, oder?


Gleichschwebend Temperierte Stimmung oder Equal Tuning

Wir vergleichen das nun mal mit dem Gegenteil, einer Equal oder gleichschwebend gestimmten Harmonika wie der »Golden Melody (in den Katalogen ist temperiert angegeben, was etwas sehr grob ist. Temperiert ist nämlich alles was NICHT Just oder rein gestimmt ist. Für die »Golden Melody müsste drin stehen: Gleichschwebend temperiert.)
Eine 'Equal' oder gleichschwebend gestimmte »Hohner Golden Melody klingt in Akkorden so:








Hört sich nicht besonders wohlklingend an, nicht wahr?
Nun hör Dir die Melodielinie an, speziell den vierten Ton in der Reihe bei der in Equal oder gleichschwebend temperiert gespielten Melodielinie.






Hört sich sehr gut gestimmt an, dieses Mal!


Temperierte Stimmung oder Compromised Tuning

Nun vergleichen wir das mal mit dem Kompromiss zwischen den beiden Stimmungsmodellen, einer temperiert (oder 'compromised') gestimmten Harmonika wie der » Hohner Marine Band DeLuxe.
Eine temperiert gestimmte Hohner Marine Band DeLuxe klingt im Akkord so:






Nicht ganz schlecht, oder?


Nun hör Dir die Solo-Melodie an, speziell den vierten Ton in der temperiert gestimmten Melodielinie:







Lässt sich doch gut anhören, oder?


Ich gebe zu, es ist ziemlich schwer das einfach so herauszuhören. Manchen Leuten fällt das leichter als anderen. Es ist eine Gabe der Natur.

Es sind nicht nur Anfänger, die gelegentlich Harps reklamieren, weil sie meinen wir hätten ihnen ein verstimmtes Instrument geliefert. Dabei bewegen wir uns hier nur auf der Spielwiese der unterschiedlichen Stimmungsmodelle, und das ist ein endloses Thema.


Stimmungsvorgang

Wenn Dir das alles zu kompliziert ist, oder Du das nicht heraushören kannst (was manchmal auch eine Frage der musikalischen Anlagen ist, die man von Geburt an mitbekommen hat), dann hier eine ganz einfache Stimmungsanleitung:

  • Nimm Dir ein ganz normales Stimmgerät, aber keine Stimmungsmodi einstellen, falls das Ding so was kann.
  • Stelle die Referenz im Gerät auf a'=444Hz.
    Hintergrund: Du wirst den Ziehton in Kanal 5 und 9 Deiner Diatonischen 10-Loch Mundharmonika (Bluesharp) um 29 Cent tiefer stimmen als normal. Bei a'=440Hz (was normale Basis wäre) wäre das so gnadenlos verstimmt gegenüber Deinen Mitspielern, dass man Dich sofort aus der Band werfen würde. Du musst also das Instrument als Ganzes zu hoch stimmen.
    Generell gibt es einen Grundsatz, der da lautet: Ein zu hoch gestimmtes Instrument klingt tendenziell brillianter, ein zu zu tief gestimmtes klingt......... na ja, verstimmt eben.
  • Meine persönliche Empfehlung:  Stimme nicht Equal (also die Nadel oder Anzeige Deines Stimmgerätes immer auf 0 (Null) sondern nach folgender Tabelle:
    BLOW 0 -14 +2 0 -14 +2 0 -14 +2 0
    HOLE 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
    DRAW +4 +2 -12 +4 -29 +6 -12 +4 -29 +6
  • Versuche, möglichst viele Töne ohne Stimmgerät zu stimmen. Das geht mit Hilfe des Tongue-Blocking bei Oktaven relativ leicht.
    Wenn Du's nicht kannst, dann ist das jetzt die beste Möglichkeit, das zu üben. Wenn Du Oktaven sauber stimmen kannst, indem Du Kanäle mit der Zunge blockierst, dann bist Du Meister.
    • Stimme Kanal1, 2 und 3 Blasen mit Hilfe des Stimmgerätes.
    • Stimme Kanal 4, 5 und 6, indem Du die Kanäle 1-4, 2-5, 3-6,7-10 jeweils zusammen anspielst.
      Der obere Ton in der Oktave wird jetzt so lange mit der Stimmfeile korrigiert, bis kein Schweben mehr hörbar ist.
      Ton schwebt (falsch)





      Ton schwebt nicht (super!)





    •  Wiederhole dasselbe Stimmungsschema auf der Ziehseite. Dort ist das noch einmal schwieriger, weil die Oktaven dort sogar das Abdecken von 3 Kanälen verlangen.
  • Wenn Du jetzt die Mundharmonika in Akkorden spielst, dann klingt das satt und ohne häßliche Obertöne, besonders, wenn Du über einen verzerrten Verstärker oder ein Effektgerät spielst.

Differenztöne

Eine Diatonische Bluesharp klingt in den Kanälen 8 bis 10, als Akkord gespielt, meistens fürchterlich.

Auch wenn man nur 2 Töne gleichzeitig spielt: Meistens ist ein dritter sehr unharmonischer, tieferer Ton hörbar.
Der Differenzton oder Kombinationston.

Die Harmonie der Differenztöne besonders in den oberen Tönen sind von entscheidender Bedeutung, ob man Deine Harp hören mag oder nicht. Hör selbst:

Differenzton ist disharmonisch





Differenzton harmonisch (super!)





Wenn in Deiner frisch gestimmten Mundharmonika diese Differenztöne immer noch unharmonisch klingen, dann bedeutet das ganz einfach, dass Du nicht sauber nach obiger Tabelle gestimmt hast. Du kannst das aber mit ein paar wenigen kleinen Kratzern nachstimmen. Ganz 100%ig werden die Differenztöne im oberen Bereich nie stabil zu stimmen sein, weil allein schon die Feuchtigkeit auf den Stimmzungen die Tonhöhe beeinflusst, und das hört man relativ gut.

Ein leicht schwebender Zustand der Differenztöne macht sich als Tremolo aber sogar ziemlich gut:



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